Famulatur Innere Medizin – Klinikum Fürth

Innere Medizin – Famulatur – Klinikum Fürth Gastroenterologie

 

Motivation

Gegen Ende meines 1. klinischen Semesters an der Uni Würzburg habe ich mich dazu entschieden in den Semesterferien eine Famulatur zu machen. Nach der ganzen Theorie in der Vorklinik mit dem Höhepunkt des Lernens natürlich für das Physikum im Frühjahr 2017 und dem für mich persönlich etwas Enttäuschenden 5. Semester, in dem man vor allem in Mikrobiologie wieder sehr viel auswendig lernen musste, wollte ich endlich mal ein wenig Praxis erleben und Klinikluft schnuppern. Außerdem war meine Überlegung einfach eine der 4 Famulaturen schon so früh wie möglich zu „erledigen“, um hinten raus vielleicht mal ein bisschen mehr Luft zu haben und sich entspannt auch mal wieder Semesterferien komplett ohne ein Praktikum gönnen zu können, wenn man die Auszeit dringender braucht.

 

 

Bewerbung

Da ich mich nach bestandenem Physikum allerdings bis mindestens Mitte des Semesters ziemlich zurückgenommen habe was das Engagement in der Uni und auch die Beschäftigung mit eben solchen Themen wie der Famulatur betrifft, kam es mir dann im Gespräch mit Kommilitonen oft so vor als wäre ich mit meinen Überlegungen zur Bewerbung reichlich spät dran und als wäre es schon sehr schwierig überhaupt noch einen Platz zu bekommen. Das hat sich im Folgenden jedoch nicht bestätigt. Am Anfang standen allerdings noch ein paar Fragen: Zunächst einmal musste ich mich entscheiden, ob ich eine ambulante oder stationäre Famulatur machen will. Da ich durch kleinere freiwillige Praktika in einer Allgemeinarztpraxis die Abläufe dort schon ganz gut kenne, wollte ich als erstes lieber den deutlich unbekannteren Klinikalltag erleben. Die Wahl fiel auf das Klinikum Fürth, da ich hier mein Krankenpflegepraktikum in Form eines Bundesfreiwilligendienstes absolviert hatte und es günstig zum Wohnort meiner Eltern liegt. Als Letztes stellte sich natürlich die Frage nach der Fachrichtung. Da ich für mich persönlich zu diesem Zeitpunkt des Studiums noch keine wirklichen Präferenzen oder Faibles für ein bestimmtes Fach entwickelt hatte war mir diese relativ egal. Deshalb entschied ich mich ohne groß zu überlegen dazu, es einfach mal in der Abteilung der Inneren Medizin als sehr großes und relativ allgemeines Fach zu probieren. Die Bewerbung an sich lief dann tatsächlich denkbar unkompliziert ab: Ich suchte auf der Website des Klinikums die Telefonnummer des Chefarztes bzw. des Sekretariats des Chefarztes heraus, rief dort an und fragte, ob ich in den Semesterferien eine Famulatur machen könnte. Das Gespräch mit der Sekretärin dauerte in der Tat weniger als 30 Sekunden und sie bat mich ihr doch noch einmal meine Daten inklusive eines Lebenslaufs und des gewünschten Zeitraums der Famulatur per Mail zu schicken. Das Telefonat und die kurze Email fanden nicht mal einen Monat vor meinem Wunschbeginn der Famulatur statt und es verlief trotzdem alles sehr reibungslos. In der Antwort war dann zu lesen, dass der Zeitraum festgehalten wird und ich am ersten Tag um 8:00 ins Sekretariat kommen soll. Somit konnte ich mich dann auf den Rest des Semesters und die letzten Klausuren konzentrieren und sogar noch entspannt eine Woche Urlaub machen, bevor es dann losging.

 

 

Der erste Eindruck

Zu Beginn des ersten Tages wurde ich im Sekretariat informiert, dass ich einer gastroenterologischen Normalstation zugeteilt wurde. Sicherlich hätte man hier im Vorfeld auch schon Wünsche äußern können, die je nach Kapazität vermutlich auch berücksichtigt worden wären, aber wie schon oben erwähnt, war es mir ziemlich egal und ich war auf alle möglichen Einblicke in den Klinikalltag gespannt. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Chefarzt, den ich danach allerdings nichtmehr allzu oft zu sehen bekam nahm mich eine Sekretärin mit durchs Haus und zeigte mir kurz die wichtigsten Dinge, bevor sie mich auf Station brachte: Die Funktionsräume, die Cafeteria, den Kleidungsautomat und die Wäscherei, wo ich dann auch gleich meine Dienstkleidung bestehend aus je 2x Kasack, Hose und Kittel bekam. Den Kittel zog ich jedoch zum Glück gleich wieder aus, sonst wäre ich auf Station wohl der einzige mit Kittel gewesen und gleich mal aufgefallen.

 

Strukturen auf Station und Arbeitsablauf

Das Klinikum Fürth ist ein akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Erlangen – Nürnberg. Meine Station hatte insgesamt 36 Betten und wurde in 2 Zuständigkeitsbereiche a 18 Betten unterteilt. So war theoretisch auf jeder Seite ein Oberarzt, ein Facharzt, ein/-e Assistenzarzt/-ärztin und je nach dem ein/-e PJ Student/-in. Ich war zu der Zeit der einzige Famulant. In der Praxis war diese Struktur jedoch durch verschiedene Urlaubszeiten und Krankheiten oft durchbrochen und auch durch die Aufgaben in den Funktionen (Magenspiegelung etc.) war die Aufteilung zum Großteil meiner dortigen Zeit so: Eine Assistenzärztin mit einer PJ-Studentin auf der einen Seite und auf der anderen ein Facharzt und ein Assistenzarzt. Die Oberärzte waren außer für die Visite zu 90% nicht auf Station, sondern z.B. in den Funktionsräumen ein Stück über den Flur.

An meinem ersten Tag „platzte“ ich in die Visite und wurde von der Sekretärin kurz vorgestellt, es waren alle sehr nett und ich wurde einer Seite zugeteilt, für die ich dann im weiteren Verlauf auch hauptsächlich zuständig war. Allerdings war das für mich alles andere als streng geregelt und im Prinzip konnte ich dann auch immer da sein wo es etwas zu tun oder v.a. auch zu sehen gab.

Der normale Tagesablauf, der auch für mich ab dem 2. Tag an galt war wie folgt:

Ab 7:30 Visite je nach dem bis 9:30, teilweise aber auch schon mal deutlich länger. Danach war die normale Arbeit auf Station, für mich beispielsweise viel Blut abnehmen, dazu später mehr. Zum Mittagessen in der Mensa hat sich eigentlich immer jemand gefunden allerdings zu unregelmäßigen Zeiten. Danach gab es noch eine Kurvenvisite und ab 16:30 bis 17:00 konnte man oft gehen, alles natürlich immer sehr davon abhängig wie viel grade auf der Station los war und für mich speziell z.B auch wie viele PJ´ler da waren. In der Woche gab es außerdem noch jeden Dienstagnachmittag von 14:00 bis 15:30 Uhr einen Vortrag bzw. Unterricht für PJ Studenten mit wechselnden Themen aus unterschiedlichen Fachrichtungen. Diesen fand ich meistens sehr spannend und habe dort unter anderem mehr über die Funktionsweise der unterschiedlichen Endoskope gelernt und z.B auch Hähnchenhaut mit unterschiedlichen Nahttechniken zusammennähen können. Außerdem konnte man, wenn man wollte, meistens nach dem Vortrag auch schon ein bisschen früher gehen als sonst. Mittwochs fand wöchentlich eine ca. einstündige Besprechung mit dem Chefarzt und möglichst allen verfügbaren Ärzten der Gastroenterologie und Hämatoonkologie statt, in der es aber leider weniger um inhaltliche medizinische Themen als vielmehr um organisatorische Dinge wie die nächsten Kongresse, Fortbildungen usw. ging. Selten wurden hier auch besondere Fallbeispiele herausgearbeitet und vorgestellt, was ich deutlich spannender fand. An meinem dritten Tag sollte ich mich in dieser Besprechung auch allen Anwesenden vorstellen, sodass ich spätestens ab da nichtmehr ganz so anonym in den Funktionsräumen unterwegs war und auch bei einigen Ärzten die nicht auf meiner Station tätig waren mit zuschauen und mithelfen konnte. Es fanden außerdem wöchentlich noch interdisziplinäre Tumorboards statt, an denen ein Arzt unserer Station teilnahm, wenn wir entsprechende Patienten hatten. Einmal war ich bei einer solchen Konferenz dabei und auch wenn sie ziemlich spät am Nachmittag stattfand und recht viele Patienten besprochen wurden, war es sehr interessant zu sehen, wie im Zusammenspiel mit Radiologen, Onkologen, Chirurgen und Internisten die bestmöglichen Therapien und Angebote an den Patienten gesucht wurden.

 

Persönlicher Arbeitsalltag

Ab 7:30 Uhr startete ich zusammen mit der Visite meist mit gut gelauntem Oberarzt. Dieser ging aber in der Regel nur bis zur Hälfte des Bereichs und zu „Problemfällen“ mit (d.h. die Visite startete jeden Tag abwechselnd auf einer Seite) und verabschiedete sich dann in die Funktionsräume. Ziemlich nervig war, dass zu dieser Zeit gerade eine Umstellung von der Papierkurve auf eine elektronische Fieberkurve stattfand und leider kaum einer einen Plan davon hatte und so sehr viel Zeit für die verschiedensten Probleme mit dem neuen System draufging. Dennoch habe ich dabei viel dazugelernt, und konnte beispielsweise ab und zu auch auskultieren oder abtasten, auch wenn ich aufgrund des Zeitdrucks und natürlich auch meines nach dem 5. Semester klinisch noch sehr beschränktem Wissenshorizonts oft eher mehr oder weniger stiller Zuhörer war. Dafür war dann nach der Visite umso mehr zu tun für mich: Das Blutabnehmen und Nadeln legen war komplett in der Hand der Studenten und da in der Regel nur eine PJ-Studentin da war, war ich für mindestens die Hälfte der Station zuständig. Da ich außer im Kurs Praktische Klinische Untersuchungen (PKU) im Semester davor noch nie Blut abgenommen hatte war das am Anfang für mich doch noch recht spannend, auch weil natürlich die Venen des Patientenkollektivs auf einer Inneren Station oft deutlich „schlechter“ sind als die von Modellen oder jungen Kommilitonen. Dennoch hat sich hier einfach einmal mehr rausgestellt, dass Übung den Meister macht und man wirklich keine Angst davor haben muss. Schon nach wenigen Tagen lief es damit erstaunlich gut und wurde immer besser und ich würde behaupten, dass ich so bis zum Ende der Famulatur quasi automatisch ein recht passabler Blut Abnehmer geworden bin (was einem in Würzburg spätestens im Impfpraktikum im 6. Semester und mit Sicherheit in unzähligen anderen Situationen wieder zugutekommen wird). Außerdem war hier die Unterstützung z.B. der Pj´ler aber auch aller anderen immer sehr gut und auch wenn ich spätestens ab dem 2. Tag meist alleine zum Patienten gegangen bin, hat man sich doch nie allein gelassen gefühlt.

Wieviel Zeit das Blutabnehmen und Nadeln legen nach der Visite in Anspruch genommen hat hing natürlich sehr davon ab wie viele Blutentnahmen anstanden (montags traditionell am meisten). Meistens hielt es sich jedoch einigermaßen in Grenzen und bis auf wenige Ausnahmen an denen ich zum Beispiel der einzige Student auf der ganzen Station war (was dann schon mal sehr intensiv werden konnte) war man damit spätestens um 12 durch und konnte sich andere Aufgaben suchen. Da die Stationsärzte dann oft damit beschäftigt waren Briefe zu schreiben, ging ich häufig rüber in die Funktionsräume. Hier habe ich die für mich mit am interessantesten und spannendsten Dinge gesehen, wie zum Beispiel viele Magen- und Darmspiegelungen, unterschiedlichste Sonografien, ERCPs (endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographien) und Bronchoskopien. Öfter durfte ich auch hier selbst mitmachen und zum Beispiel das Endoskop halten, Kontrastmittel oder Schlafmittel spritzen oder mich schon mal im Sonographieren üben. Besonders in der Endoskopie hat es mich oft begeistert die Organe, statt nur im Anatomieatlas in echt, bewegt, in Farbe und mit den unterschiedlichsten Anomalien und Pathologien zu sehen und war erstaunt über die Kniffe und die teilweise abenteuerlichen interventionellen Möglichkeiten der Gastroenterologen.

Auch auf der Station selbst gab es immer wieder interessante Eingriffe zu sehen, wie beispielsweise einige Aszites- und Pleurapunktionen, Blutentnahmen aus der Leiste etc. Außerdem konnte ich bei der Aufnahme neuer Patienten mithelfen, indem ich beispielsweise ihre Vordiagnosen sammelte und mich über ihre aktuellen Beschwerden erkundigte. Zudem durfte ich Aufklärungen zu verschiedenen Funktionsdiagnostiken mit den Patienten besprechen.
Nach dem Mittagessen war ich dann häufig noch bei der Kurvenvisite der Stationsärzte dabei, die auch nochmal eine gute Gelegenheit war Fragen zu stellen und zu einem guten Überblick über die Patienten auf Station, deren Diagnostik und Therapie verhalf. Je nachdem, ob noch etwas Interessantes auf Station oder in der Funktionsdiagnostik anstand, oder nicht, war danach Feierabend.

 

                                           

 

 

Fazit

Für mich war diese erste Famulatur in der Inneren Medizin genau das Richtige. Es hat mir insgesamt viel mehr Spaß gemacht als die ganze Theorie in den Semestern davor, was dazu geführt hat, dass ich oft auch lange nach offiziellem Dienstschluss noch in der Klinik war, um mir beispielsweise interessante Untersuchungen anzuschauen. Die Bewerbung lief entgegen der Erwartung einiger so unkompliziert wie man es sich nur vorstellen kann, ohne Beziehungen oder Kontakte und das immerhin an einem Lehrkrankenhaus. Warum kann ich es empfehlen schon eine Famulatur nach dem 5. Semester zu machen und warum in Innerer Medizin?

Nach einer Famulatur in der Inneren wird man auf jeden Fall Blut abnehmen können (und muss auf keinen Fall mehr Angst davor haben), was einem im Studium und bei weiteren Famulaturen auf jeden Fall helfen wird. Zudem konnte ich von vielen relevanten Krankheitsbilder, die im Laufe der nächsten Semester in Vorlesungen und Praktika besprochen werden, sowie deren Diagnostik und Therapie zumindest schon mal eine gute Vorstellung gewinnen. Auch für die Pharmakologie im 6. Semester hilft es sicher, viele Medikamentenamen schon mal gehört zu haben und wenigstens ungefähr zuordnen zu können. In einer Abteilung der Inneren Medizin in einer Lehrklinik stehen die Chancen außerdem nicht schlecht mindestens einen PJ-Studenten mit auf Station zu haben. Nach meiner Erfahrung ist das sehr hilfreich, denn die PJ´ler hatten am meisten Zeit einem etwas zu zeigen und zu erklären. Außerdem ist das Gebiet der Inneren Medizin so riesig, dass es immer wieder neue, interessante und ganz unterschiedliche Krankheitsbilder zu sehen gab.

In Zukunft habe ich mir vorgenommen vor allem bei der Visite noch mehr zu fragen und noch mehr darauf zu beharren auch selbst körperliche Untersuchungen wie auskultieren und palpieren durchführen zu dürfen.

K., J.

Würzburg, November 2017

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