Erfahrungsbericht Physikum

 

Hallo Kliniker in Spe!

Bald ist es soweit und Ihr habt die Vorklinik endlich hinter euch gebracht.

Mein Name ist Phil und ich studiere im 5. Semester Humanmedizin in Würzburg.
Ich selbst hatte mein mündliches Alte Mainbrücke WürzburgPhysikum am 03. August 2015 und mein schriftliches am 18. und 19. August. In Würzburg findet das mündliche Physikum vor dem schriftlichen statt, was anscheinend nicht
bei jeder Uni der Fall ist. Informiert euch einfach frühzeitig, wie es bei euer Universität gehandhabt wird.
Mir gefiel es ziemlich gut, das Mündliche (den meiner Meinung nach schwierigeren Teil) zuerst hinter sich zu haben und sich nur noch stumpfsinnig durchzukreuzen zu müssen. Doch zunächst alles von Vorne. Hier sind meine Tipps zur Physikums-Vorbereitung:

 

I Gut geplant, ist schon halb gelernt

Ohne einen funktionierenden Zeitplan befindet sich das Projekt Physikum auf sehr dünnem Eis. Leute, die durch das Physikum fallen, fallen meiner Meinung nach nicht durch, weil sie grundsätzlich nicht in der Lage dazu wären, es zu bestehen, sondern weil ihnen die Zeit davon gelaufen ist.

Das Fatale ist nämlich, dass man, sofern noch genug Zeit bis zum Prüfungstermin ist, kein Stress empfindet. Doch es braucht seine Zeit, bis der ganze Lernstoff in eurem Kopf ist!

Berücksichtigt bitte!!, dass der Geist stark, aber der Körper schwach ist.

Sieben volle Lerntage am Stück über einen längeren Zeitraum ohne Tage, an denen Ihr deutlich weniger lernt, zermürben einen!

Plant genug Lernpausen ein, wenn Ihr noch die Möglichkeit dazu habt.

Ein wesentlicher Vorteil eines Lernplans ist: Sobald man sein Lernpensum geschafft hat, kann man auch mal bewusst vom Unistress abschalten und muss sich keine Gedanken mehr machen bzw. kreisen keine Gedanken wie „Oh Mist, ich muss doch noch so viel lernen, wieso chille ich hier so rum“ in deinem Kopf.

 

Man kann sich nämlich damit beruhigen, dass man ja weiß, dass man mit dem Stoff durchkommen wird, weil man gut in der Zeitplanung liegt. Mir hat es ausgereicht, einen Lernplan im Kopf zu haben. Vielleicht müsst Ihr ihn euch aber visualisieren, um entspannen zu können. Wenn Ihr ein super entspanntes Lernerlebnis haben wollt, müsst Ihr halt sehr früh anfangen, was so gut wie unmöglich ist. Stellt euch von Anfang an darauf ein, dass die Physikumszeit eine etwas stressigere Zeit ist und erklärt dies euren nichtmedizinischen Freunden, wenn Ihr sonst häufiger was mit diesen unternehmen solltet. Diese können häufig nicht nachvollziehen, dass man auf einmal so viel lernen muss.

Uni geht nunmal vor!

 

Solltet Ihr nicht mehr in der Lage sein, einen perfekten Lernplan auszuarbeiten, weil euch schlichtweg die Zeit fehlt, dann reduziert euch auf die Medilearn– oder Endspurtskripte. Es macht an dieser Stelle keinen Sinn mehr, Dicke Bücher hervorzukramen. Meines Erachtens solltet Ihr gar nicht erst damit anfangen!! Unter IV findet Ihr die Bücher, die Ihr braucht!

 

II Wie viel Zeit sollte ich einplanen?

Ihr solltet mindestens 200 Lernstunden einplanen. Das hängt aber auch ganz davon ab, wie schnell Ihr lernt, wie viel Ihr bereits wisst und wie viel schon zusammengefasst ist. Mit der Zahl möchte ich nur sagen, dass es einiges an Stoff ist und man diesen eben nicht mal schnell lernen kann, sondern einige Lerntage dazu braucht. Grundsätzlich würde ich sagen, dass man mindestens 30 komplette Lerntage einplanen sollte plus freie Tage, d.h. man sollte 1,5 Monate vor dem Prüfungstermin spätestens anfangen.

Wie gesagt, hängt es einerseits davon ab, wie schnell Ihr lernt, auf der anderen Seite, wie viel Ihr schon wisst: Deswegen klingt 1,5 bis 4 Monate als Vorbereitungszeit nicht verkehrt. Alles darunter könnte ziemlich stressig werden. Weniger Zeit zu haben, bedeutet aber auch nicht, dass man nicht mehr bestehen könnte!

 

III Wie sah deine Lernwoche aus und mit welcher Lerntechnik hast du gelernt?

Wenn Ihr euch nicht sicher seid, wir Ihr euren Lernplan gestalten sollt, empfehle ich die Medilearns als Orientierung zu nehmen (pro Medilearn ca. 1-3 Tage)

 

Tipp: Mir fiel es deutlich leichter, die Biochemie-Medilearns durchzulernen, da man sich hier weniger Details merken musste als in Physiologie, weshalb ich für Physiologie länger gebraucht habe!

 

Ich habe unter der Woche nach dem gleichen Lernschema mit ca. sechs Lerneinheiten gearbeitet. Wichtig sind die kleinen Erfrischungspausen. Sobald ich das Gefühl hatte, dass ich eine kleine Pause brauche, habe ich Sie mir genommen. So kriegt man es hin, viele Stunden effektiv zu lernen.

 

Montag – Freitag

45- 90 min Erste Lerneinheit

5-10 min Erste Pause

45- 90 min Zweite Lerneinheit

5-10 min Zweite Pause

45- 90 min Dritte Lerneinheit

 

45 min Essenspause

 

45- 90 min Vierte Lerneinheit

5-10 min Vierte Pause

45- 90 min Fünfte Lerneinheit

5-10 min Fünfte Pause

45- 90 min Sechste Lerneinheit

 

Samstag und Sonntag sind halbe Lerntage nach dem Schema:

60 – 90 min Erste Lerneinheit

5-10 min Erste Pause

60 – 90 min Zweite Lerneinheit

5-10 min Zweite Pause

60 – 90 min Dritte Lerneinheit

 

Alternativ kann man auch Sonntag einfach komplett frei machen. Für mich hat aber das oben beschriebene besser funktioniert, weil ich das Gefühl hatte, zwei freie Tage zu haben.

 

Kurz zu meiner Lernmethodik

Ich liebe Karteikarten, es gibt keine bessere Methode seinen Wissensstand wirklich zu überprüfen, während man lernt. Hierzu habe ich ein kostenloses Karteikartenprogramm benutzt, welches ich im Internet gefunden habe.

 

IV Bücher, Bücher und noch mehr Bücher! Welche brauche ich davon?

In jedem Fach hat man eine nahezu unbegrenzte Auswahl an Büchern.Buchtipps Gerade diese Tatsache machte es mir in den ersten Semestern schwer, mich auf ein Buch zu konzentrieren. Setzt euren Lernfokus auf eine
begrenzte Anzahl an Büchern und lernt diese wirklich komplett durch, bevor Ihr euch die meterdicke Standardliteratur besorgt. Fangt mit kurzen Lehrbüchern an, die euch kompakt das Wesentliche beibringen. Im Großen und Ganzen, auch wenn man das schon tausend mal gehört hat, reichen die 
Medilearns/Endspurte. Wenn man diese sehr sicher beherrscht, kann so gut wie nichts passieren.

Für die einzelnen Fächer empfehle ich folgende Herangehensweisen:

 

 

Anatomie

1)Prometheus (alle drei Bände! Ich liebe diese Buchreihe!); als Alternative kann man auch Sobotta hernehmen

2)Für die Fakten arbeitet man mit den Anatomie-Medilearns

+ Optional: Ergänzend der kleine Benninghoff

 

Biochemie

1)Wer hat was anderes erwartet? Die Medi-learns (Ihr müsst euch aufjedenfall das Poster besorgen!)

+ Ergänzend: Duale Reihe bzw auch Videos von Lecturio

Physiologie

1) Für die Basics der übliche Verdächtige Medilearn

+ tieferes Wissen: Duale Reihe/ Gekle oder Silbernagel

 

Restliche Fächer

1) Medilearns und gekreuzt 😉

 

Update 28.August 2016: *Amboss hat vor kurzem einen Vorklinik-Bereich eingeführt, der im gleichen Stil ist wie der geniale Klinik-Bereich. Es lohnt sich, das Programm als Ergänzung zu den Büchern in Erwägung zu ziehen:

https://www.miamed.de/amboss/vorklinik

 

V Vorbereitung für’s mündliche Physikum

Die Vorbereitung lässt sich schnell zusammenfassen. Da im Mündlichen nur Anatomie, Physiologie und Biochemie eine Rolle spielen, fand ich es super, dass ich die mündliche Prüfung in Würzburg vor der schriftlichen stattfand.

Denn so musste man sich am Anfang nur auf die mündlichen Altprotokolle konzentrieren und eben nur auf die drei Hauptfächer Anatomie, Physiologie und Biochemie. Um in die einzelnen Themen während des Lernens reinzukommen, habe ich gerne Lernvideos zu dem jeweiligen Thema angeschaut. Die meiner Meinung nach sinnvollsten Lernvideos habe ich in einer Lernliste zusammengestellt. (Mein Lieblingslink ist der zum Thema EKG, mithilfe dieser Videos hatte ich alles physikumsrelevante zum Thema EKG in elf Minuten verstanden!! Den Link findet Ihr am Schluss). Das in Kombination mit den bereits erwähnten Büchern reicht vollkommen aus. Vielleicht noch als kurzer Hinweis: Lernt zunächst souverän eure Basics und vertieft nur die Themen, von denen ihr durch die Altprotokolle wisst, dass sie häufig genauer gefragt werden. Kein Prüfer lässt euch durchfallen, wenn Ihr euer Medilearn-Wissen drauf habt.

 

VI Das große Finale: Kreuzen, Kreuzen und nochmal Kreuzen

Das schriftliche Physikum: weniger spektakulär und weniger aufregend als gedacht. Für mich zumindest. Natürlich schreibt man gerade sein Staatsexamen, aber wenn man vorher einige Klausuren am Stück durchgekreuzt hat, dann ist es auch keine allzu neue Erfahrung, wieder Fragen zu kreuzen, diesmal einfach mit vielen anderen, die das genauso machen. Es fühlt sich nicht viel anders an als eine übliche Uni-Klausur. Von daher braucht Ihr euch da keine Sorgen zu machen! Ich denke, dass es Ihr genauso empfinden werdet. Macht euch da echt keinen Stress, gerade da Ihr ohnehin viele Altfragen in euer Prüfung wiederfinden werdet.

 

Ich hoffe, dass mein Erfahrungsbericht euch helfen konnte. Schreibt mir gerne, wenn Ihr noch was wissen wollt.

Für Fragen stehe ich euch sehr gerne zur Verfügung! (Schickt einfach eine Nachricht an https://www.facebook.com/Wisephants/ )

 

Ich wünsche euch allen viel Erfolg!

 

Phil Rückert

Gründer von „Wisephants – Das Portal für Mediziner“

Januar 2016

 

P.S. Interessiert dich die Lernliste mit nützlichen Lernvideos und Lerntipps, die ich fürs Physikum erstellt habe? Du kannst sie dir kostenlos unter:

http://wisephants.com/studium/vorklinik/physikum

zuschicken lassen!


Die Bilder von Würzburg wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Jakob Bartels. Ihr findet seine Arbeit unter http://facebook.com/artlessartjb

*Hinweis entstand mit freundlicher Unterstützung von Amboss

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