Erfahrungsbericht Dr. Reinhard Ruppert – Chefarzt Coloproktologie

Wie sieht ihr beruflicher Werdegang aus? Wo haben Sie studiert und wie ging es dann weiter?

1976 habe ich mein Abitur gemacht und anschließend das Studium der Medizin an der LMU in München begonnen

1982 habe ich mein Medizinstudium abgeschlossen

Im April 1983 habe ich meine chirurgische Ausbildung am Städt. Klinikum München gestartet und meine Facharztausbildung zum Chirurgen, Viszeralchirurg und Unfallchirurg mit Spezialisierung auf Coloproktologie absolviert

1996 bin ich Oberarzt für Coloproktologie geworden und 2000 Chefarzt der Abteilung für Coloproktologie am Klinikum München-Neuperlach.

 

Warum haben Sie sich für die Chirurgie entschieden?
Die Chirurgie ist das Fach mit der höchsten Zufriedenheitsrate was Patientenerfolg betrifft. Ein klares Problem ist vorgegeben und der Chirurg muss dieses Problem lösen. So entsteht eine hohe Zufriedenheit bei Arzt und Patient nach einer erfolgreichen Operation. Außerdem ist die Chirurgie ein Fach bei dem die manuelle Geschicklichkeit ihre Anwendung findet, auch dies steigert die Zufriedenheit und das Selbstwertgefühl

 

Welche Einschränkungen bringt der Job mit sich?

Die Tätigkeit im Krankenhaus bedingt natürlich Arbeitszeiten sowohl in der Nacht als auch am Wochenende, was für ein Familienleben eine Belastung darstellt. Diese wechselnde Tätigkeit wird am Beginn der beruflichen Tätigkeit nicht als belastend empfunden, aber mit zunehmendem Alter (>50 Jahre) merkt man die körperliche Belastung und es bedarf einer konsequenten Lebenshaltung, um dies zu kompensieren.

Wie sieht ihr Alltag aus? Was mögen Sie besonders? Welche Arbeiten würden Sie gerne abgeben/loswerden?

Im Rahmen meiner Führungsposition sind natürlich die Arbeitszeiten etwas anders.

7:30 Beginn mit Visite,

8:15 OP Beginn

bis 13:00 Uhr Operationen

bis 16:00 Uhr Sprechstunde

bis 16:30 Röntgenbesprechung und OP-Planungsbesprechung für den nächsten Tag

bis 17:30 Administration oder auch mal später

Ein Chirurg mag am liebsten die operativen Tätigkeiten, so dass man sich hier am liebsten im OP aufhält. Am liebsten mag ich an der Chirurgie, eine klare Problemstellung und dann die chirurgische Lösung des problems zur Zufriedenheit des Patienten.

Was möchte ich am liebsten loswerden?
Natürlich die aufwendige administrative Tätigkeit mit vielen Sitzungen, betriebswirtschaftlichen Gesprächen und den wirtschaftlichen Druck

 

Das schönste Ereignis Ihrer Arztkarriere bisher?

Es gibt erfreulicherweise nicht das schönste Ereignis, sondern schöne Ereignisse wiederholen sich. Aber besonders habe ich mich über einen Brief eines Patienten gefreut, der mir schrieb, dass jetzt 10 Jahre nach seiner Krebserkrankung vergangen sind. Er lebt immer noch und möchte sich für die geleistete Arbeit und die geschenkten Jahre bedanken.
Dies erfreut einen ungemein, wenn man nicht vergessen wird.

 

3 Ratschläge an Ihr Erstsemester-Ich?

  1. Auch wenn das Studium lang ist (der Anfang ist sehr theoretisch), unbedingt bei der Stange bleiben. Patientenkontakt ist dann das beste.
  2. Mach dir ein breites Bild von allen Möglichkeiten in der Klinik, wähle das Fachgebiet aus, wo du am meisten Spaß hast.
  3. Um langfristig Erfolg und Freude zu haben, muss man über starre Arbeitszeiten hinweg sehen. Medizin ist ein ewig lernender Beruf

 

Wie sehen Sie die Zukunft der Chirurgie?

Die Chirurgie ist zwar ein Fach mit hoher Zufriedenheit was das Erfolgserlebnis betrifft, aber es ist auch ein körperlich anstrengendes Fach. Mental und physisch muss man belastungsstabil sein. Man muss lernen, dies zu trainieren und für lange Zeit aufrecht zu erhalten. Aufgrund der Feminisierung der Medizin nimmt das Interesse für dieses Fach aufgrund der genannten Faktoren ab. Außerdem sind lange Pause in dieser Tätigkeit kontraproduktiv

Dr. Reinhard Ruppert
München Klinik-Neuperlach
Chefarzt Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, endokrine Chirurgie und Coloproktologie

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