Die 19 besten Lerntipps für Mediziner

Ultimative Lerntipps für Mediziner!

 

Aktuelle Version vom 17.August 2016


Mit diesen Tipps, welche ich über die letzten Jahre gesammelt habe, möchte ich dir dabei helfen, dein Lernen effektiver zu gestalten! In regelmäßigen Abständen werde ich diese Liste aktuell halten. 🙂
Viel Spaß damit!
Anregungen und Lob kannst du mir unter phil@wisephants.com 😉 schicken.


Aktives (Lautes) Lernen vs. passives Lernen

Unser Gehirn neigt dazu, Erkennen mit Wiedergeben zu verwechseln. Dies ist jedem von uns schon passiert. Man liest sich einige Sachen wiederholt durch und ist nun der Meinung, alles zu “können”. Doch in Wahrheit sind wir nur gut darin geworden, die Dinge wieder zu erkennen. In der Klausur merken wir dann, dass wir doch nicht alles “können”.

Wie können wir dies vermeiden?

Indem wir aktiv lernen. Das heißt, wir müssen beim Lernen aktiv auf unser Wissen zurückgreifen. Dies tun wir, wenn wir beispielsweise beim Anatomie lernen die Beschriftungen zuhalten und sie selbst aufsagen, wenn wir uns beim Pharmakologie lernen die Nebenwirkungen abfragen oder wenn wir uns selbst bestimmte biochemische Zusammenhänge erklären; anders ausgedrückt, wenn wir nicht nur passiv bleiben, sondern wenn wir uns – wie wir es aus der Schule kennen – abfragen und die Inhalte laut aufsagen. Dies kann man am einfachsten mit Karteikarten trainieren.
So bleibt am meisten hängen und wir können uns sicher sein, dass wir in der Lage sind, auf unser Wissen zugreifen zu können.

Anmerkung: Für Multiple-Choice-Fragen reicht es oft, Fakten zu erkennen. Somit braucht man aktives Lernen nicht immer. Es hängt vom eigenen Anspruch ab. Dies muss einfach jeder für sich selbst abwägen:
Aktives Lernen ist zeitaufwändiger, verspricht dafür aber ein besseres Ergebnis. Somit ist aktives Lernen super wichtig für wirklich relevante Zusammenhänge.


Mach dir einen Zeitplan und lerne immer zur gleichen Zeit

Eigentlich sollte das selbstverständlich sein. Doch fällt es uns immer etwas schwer, einen guten Zeitplan aufzustellen. Oft sind wir etwas hinten dran und müssen Dinge aufholen. Eine Orientierung für den eigenen Zeitplan kann der Vorlesungplan der Uni sein. Ein sehr gutes Ziel wäre es, etwa 2 Wochen vor dem Ende der Vorlesungreihe mit dem Stoff durch zu sein. Dies gibt einem nämlich genug Zeitraum, die Inhalte zu wiederholen und Vorlesungen, an denen nochmal alles wiederholt wird und Fragen gestellt werden, optimal nutzen zu können.

Neben der Erstellung eines Zeitplans empfiehlt es sich täglich ein Zeitfenster für’s Lernen bereitzuhalten. Gerade im Medizinstudium sollte man das Lernen zur Routine machen. Wann dieses Zeitfenster sein soll, muss man für sich selber herausfinden. Manche lernen gerne früh, ich persönlich lerne sehr gern spät am Abend und nachts (Ich bin halt eine Eule 🙂 ). Wenn man täglich ein bis zwei Stunden effektiv lernen kann, kommt man enorm weit, bevor überhaupt die Klausurenphase anfängt.

Wichtig ist es, neu Gelerntes regelmäßig zu wiederholen, sonst ist es schnell wieder weg!


Tägliche Checklisten

Dieser Tipp hängt mit dem vorherigen Tipp zusammen, ist aber ein etwas allgemeinerer. Versuche jeden Sonntag zu überlegen, was du in der kommenden Woche erledigen willst. Seien es Lernziele oder dass du einen neuen Block kaufen wolltest.

Wenn du dir all die Dinge aufgeschrieben hast, die du in einer Woche schaffen willst, überlegst du dir jeden Morgen oder am Abend zuvor, was du von dieser Wochenliste konkret heute bzw. morgen machen willst.

So schaffst es in jeder Woche super produktiv zu sein!


Ausreichend Schlaf und vor dem Schlafen lernen

In der Tiefschlaf- und REM-Phase werden die im Hippocampus gelandeten Informationen verarbeitet. Sie sollen schließlich ja irgendwann in der Großhirnrinde landen. Ohne ausreichend Schlaf kannst du das Lernen vergessen! Alle Bemühungen sind ohne Schlaf für die Katz, achte also immer auf einen gesunden Schlaf!

Wenn du vor dem Schlafen gehen lernst, kannst du dir mehr merken!
Dies passiert vor allem, wenn wir uns vor dem Schlafen gehen nicht noch einen Action-Film anschauen, der uns emotional aufrührt. Denn dramatische Erfahrungen “überschreiben” die weniger emotionsbeladenen Fakten der nächsten Biochemie-Klausur, die wir uns ebenfalls am Abend “reingezogen” haben.


Sport ist gut für’s Gehirn

Allein schon wegen des beim Sport ausgeschütteten Tryptophan und dem daraus entstehenden Serotonin würde es sich schon lohnen, regelmäßiger zum Sport zu gehen. Doch es hat noch einen weiteren positiven Effekt außer, dass es unsere Stimmung hebt.

Sport fördert die Durchblutung von Hirnarealen und unterstützt das Nachwachsen von Nervenzellen im Hippocampus (Zwischenspeicher unseres Gehirns!). Es hilft uns somit mit unserem Lernprozess!


Aktiv Lesen

Ein Lehrbuch ist kein Roman, deswegen sollte man mit einem Lehrbuch auch anders umgehen. Versuche dir, bevor du ein Kapitel liest, klarzumachen, worum es in dem Kapitel geht. Gibt es am Schluss eine Zusammenfassung? Lies diese zuerst. Schau als nächstes auf die Teilüberschriften, formuliere daraus Fragen und stell dir diese laut. Durch dieses Priming wirst du viel mehr darauf achten, diese Fragen nachher beantworten zu können.

Beim ersten Lesen sollte es wichtig sein, das Konzept zu verstehen, indem du deine selbstgestellten Fragen beantworten kannst.

(Zum weiterlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/SQ3R-Methode)


Aufschreiben, um zu lernen

Je mehr man sich mit der Materie beschäftigt, desto besser kann man sich die Dinge merken. Dieser Effekt wird verstärkt, wenn man Zusammenfassungen in eigenen Worten und in seiner eigenen Logik aufschreibt.

Egal, wie man sich mit Inhalten beschäftigt, es gilt immer, je intensiver und emotionaler das Erleben, desto fester die Erinnerung!


Farbsystem zur Textmarkierung

Wenn man Texte gerne markiert, möchte man irgendwann durch Markierungen unterschiedliche Gewichtungen hervorheben. Manche markieren einmal mit gelb und lesen beim zweiten Mal mit einem orangefarbenen Stift.

Ich will kurz mein Farbsystem vorstellen:
Je wichtiger, desto dunkler (intensiver) die Farbe, d.h. gelb ist interessant, aber nicht so relevant, orange ist irgendwo zwischen interessant und super wichtig und dunkles pink!! ist am allerwichtigsten.


Lernen durch Lehren – über Gelerntes sprechen

Einmal hilft es Verständnislücken aufzeigen, auf der anderen Seite zeigen wir unserem Gehirn, dass uns dieses Wissen wichtig ist, weil wir darüber reden. Mit dem Reden verbinden sich automatisch Emotionen, Gestik, Stimmlage und Mimik. Wie oben beschrieben: Je emotionaler, wichtiger das Ereignis, desto eher erinnern wir uns dran.
Das ausgesprochene Wort unterstützt uns dabei, Gelerntes zu behalten!


Kein Multitasking – keine Ablenkung – alles der Reihe nach

Während des Lernens sollte es wirklich nur um’s Lernen gehen. Handy oder unnütze Seiten sollten ausgestellt sein. Ein Multitasking-fähiges Hirn existiert nicht! Wenn wir mehr als eine Sache gleichzeitig machen, kostet uns das immer Aufmerksamkeit und Konzentration.
Man kann nie mehrere Dinge mit der gleichen Sorgfalt und Konzentration tun wie eine Sache, der man sich voll und ganz widmet. Das gleiche gilt für’s Lernen.

Step by Step ist die Devise: Erst Grundgerüst verstehen, dann Basics, dann kann man tiefer einsteigen.
Klingt einfach, sollte aber gesagt sein. Keine Ablenkung und alles der Reihe nach!

Für den Fall, dass man am PC lernt und es nicht lassen kann, immer wieder auf Facebook etc. zu schauen, sollte man die Extension

“Stay Focused” für Chrome herunterladen (kostenlos)
https://chrome.google.com/webstore/detail/stayfocusd/laankejkbhbdhmipfmgcngdelahlfoji?hl=de


Vernetztes Lernen vs. Insel-Lernen

Wenn wir Sachen behalten wollen, müssen wir darauf achten, sie gleich mit bestehendem Wissen zu vernetzen. Dies festigt die neuen neuronalen Verbindungen und verhindert, dass unsere Fakten-Insel untergehen.


Technik nutzen (falls ihr technikaffin seid)

Der Vorteil von Karteikarten bleibt, dass man mit diesen durchgehend aktiv lernen kann (es ist aber wie oben beschrieben nicht die einzige Methode!!).
Das Problem mit Karteikarten ist, dass man eine sehr gute Ordnung haben muss. Falls ihr euch entscheidet, ausschließlich mit Karteikarten zu lernen, werdet ihr so einige tausend Karteikarten schreiben müssen.
Dies wird sehr teuer und wird kaum zu realisieren sein.

Deswegen mein Tipp: Nutzt Programme wie Phase 6, Anki, Quizlet, etc. um Karteikarten digital zu lernen.


Meditation

Zu diesem Punkt kann ich nicht viel sagen. Studien zeigen aber, dass Studenten die täglich mindestens 20 Minuten meditieren, konzentrierter und leistungsfähiger waren. Beim nächsten Update werde ich persönliche Erfahrungen hinzufügen 🙂


Etwas Kaffee ist okay, aber zu viel Kaffee ist nicht gut

Übertreibe nicht mit dem Kaffee. Wenn du müde bist, versuche langfristig einen geordneteren Schlafrhythmus zu bekommen, indem du zu festen Uhrzeiten ins Bett gehst und zu festen Uhrzeiten aufstehst.
Zu viel Kaffee macht dich nur unruhig, lässt dich schlecht schlafen und senkt deine Leistungsfähigkeit.


Dein persönlicher Lernspot  – Kontext-Lernen

Schaff dir deinen eigenen Lernbereich. Unser Gehirn denkt immer im Kontext, wenn du dir einen Platz schaffst, wo du ausschließlich konzentriert lernst, wirst du sofort in den Lernmodus einsteigen, sobald du dich hinsetzt!!
Dies geht auch, wenn du ein “Lernoutfit” hast, ein “Lernstuhl” oder was auch immer. Wenn dein Gehirn versteht, dass sich der Kontext verändert hat und wenn dein Gehirn versteht, dass dies bedeutet, dass jetzt gelernt wird, machst du’s richtig!


Erweiterte Pomodoro-Technik

Die Pomodoro-Technik schlägt vor 25 Minuten am Stück sich mit einer Aufgabe zu beschäftigen und danach 5 min zu pausieren.
Da ich 25 Minuten etwas kurz finde, hab ich mit ein paar Zeiten herumexperimentiert. Ich halte 45-60 Minuten konzentriertes Lernen und 10-15 Minuten Pause für ganz gut.

Man sollte mitnehmen, dass längeres Arbeiten am Stück die Konzentration reduziert. Und mehr nicht unbedingt mehr bringt.

Das Ziel ist es, mit einem geringeren Zeitaufwand den gleichen Lernerfolg zu haben. Dies gelingt, wenn man sehr viele kleinere Lern-Sessions hat, in denen man konzentrierter lernen kann im Vergleich zu einer langen, bei der die Konzentrationen nach wenigen Stunden enorm abnimmt.

Probiert das für euch aus, ihr werdet den Unterschied merken!

Passend hierzu: Erfahrungsbericht Physikum – III Wie sah deine Lernwoche aus


Akrasia (Willensschwäche) besiegen durch zeitnahe Belohnung

Sind Ziele weit in der Zukunft fehlt uns die Motivation, diese zeitnah zu erledigen. Wenn Belohnung oder Bestrafung (Nichtbestehen/schlechte Note) zu weit weg sind, fehlt uns häufig die Willensstärke, jetzt schon an dem Erreichen des Ziels zu arbeiten.

Beispiel: Wenn die Klausur in vier Monaten ist, brauche ich jetzt doch noch keinen Stress zu schieben, sondern ein bis zwei Wochen vorher.
Dies funktioniert, kann uns aber manchmal ärgern, wenn wir nicht so gut waren wie erhofft.

Um dies entgegenzuwirken, hilft es, das große Ziel (Klausur bestehen) in kleinere Ziele auf zu stückeln (Kapitel 1 verstehen und können) und mit einem Zeitplan zu versehen (bis zum nächsten Wochenende kenn ich die X-chromosomalen Krankheiten).

Um beim Plan zu bleiben, kann man sich damit motivieren, dass man nach jedem Erreichen eines Teilziels eine schöne Sache macht
(halben Tag Game of Thrones-Folgen schauen, ins Kino gehen, weggehen, eisessen gehen, etc.).

Die Idee dahinter ist, dass man positive Assoziationen mit dem Lernen verknüpft und Lernen nicht nur als bloße Anstrengung sieht, sondern man hat sich nach jedem Meilenstein seine Belohnung verdient.
So gelingt es, dass man auch Ziele erreicht, die noch weit in der Zukunft sind.


Corson-Technik

Falls du mal einen Dozenten was fragen willst, versuche so direkt wie möglich zu verstehen, was dir Probleme bereitet.
Die Corson-Technik hilft dir dabei:

Du sollst dich jedes mal fragen:”Was ist es genau, was ich nicht verstehe?”.

Gehe dazu im Lehrbuch jeden Satz für Satz durch und achte darauf, wann du aussteigst.

Wenn du das übst, weißt du immer genau, was du noch fragen musst, um alles zu verstehen.


Space Repetition System !!

Unter Space Repetition System versteht man, dass man die Fakten nicht in gleichmäßigen Abständen wiederholt, sondern die Abstände immer größer werden.

Falls du ein System wie Phase 6 oder Anki benutzt, berechnet der Algorithmus, wann du welche Lernkarten wieder lernen sollst.
Wenn du kein Karteikarten-System benutzen willst, kannst du dir angewöhnen in größer werdenden Abständen alte Inhalte zu wiederholen.
Studien zeigen, dass du so weniger Wiederholungen brauchst, um die Inhalte irgendwann perfekt zu können!

Leitner System


Ich hoffe, dass ich dir mit den Lerntipps weiterhelfen konnte! Falls du Anregungen hast, kannst du mir gerne unter phil@wisephants.com schreiben.

Kennst du noch weitere Lerntipps?

Viele Grüße
Phil

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